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Globaler Aktionsplan zum Schutz der biologischen Vielfalt von Nutztieren

Das deutsche Öko-Institut kritisiert die vagen Finanzierungspläne

In den vergangenen Jahrzehnten sind weltweit fast 700 der 7.616 anerkannten Nutztierrassen ausgestorben, davon allein in den letzten sechs Jahren neun Prozent. Rund ein Fünftel aller Nutztierrassen gilt nach Einschätzung der UN Landwirtschaftsorganisation (FAO) als gefährdet, und auch die genetische Diversität innerhalb von Rassen und Linien nimmt ab.

Doch nun hat die internationale Staatengemeinschaft den dringenden Handlungsbedarf anerkannt und am vergangenen Freitag einen globalen Aktionsplan zum Schutz der biologischen Vielfalt bei landwirtschaftlich genutzten Tieren verabschiedet.

"Dies ist ein erster und wichtiger Schritt, um die Vielfalt von Nutztierrassen zu erhalten", begrüßt Franziska Wolff, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Öko-Institut in Berlin, die Entscheidung. Die Expertin hat an den Verhandlungen in Interlaken/Schweiz teilgenommen.

Aus Sicht des Öko-Instituts kommt der Plan der Agrobiodiversität und der Umwelt, der globalen Ernährungssicherheit und dem Kampf gegen Armut gleichermaßen zugute. Jedoch: "Viel hängt von der Umsetzung ab", sagt Franziska Wolff. Bisher ist die Zusage für eine internationale Finanzierung des Planes vage.

"Außerdem reichen Schutzprogramme nicht aus, solange die industrielle Agrarproduktion Vielfalt in großem Maßstab vernichtet", kritisiert die Expertin vom Öko-Institut mit Verweis auf Erkenntnisse aus dem FAO-Bericht.

Mit dem Aktionsplan verpflichten sich die FAO-Mitgliedsländer zu verstärkten Aktivitäten in den Bereichen Charakterisierung, Bestands- und Risikomonitoring sowie Erhaltung, nachhaltige Nutzung und Entwicklung tiergenetischer Vielfalt. Gleichzeitig versprechen sie, ihre Politiken zu verbessern und Kapazitäten zur Bekämpfung des Problems auszubauen. Rechtlich bindend ist der Aktionsplan allerdings nicht.

Weiteres Problem: Mit dem Export industrieller Agrarproduktionssysteme in Entwicklungsländer verschlechtern sich die Bedingungen für eine angepasste und agrobiodiverse Tierhaltung dort. Zwar erkennt der globale Aktionsplan den Beitrag an, den lokale Gemeinschaften, Bauern und Pastoralisten über Jahrhunderte durch die Entwicklung von Tierrassen geleistet haben. In Zukunft wird es allerdings darauf ankommen, deren Zucht- und Produktionsbedingungen konkret zu schützen. Zivilgesellschaftliche Kräfte schlagen hierfür unter anderem das Konzept der 'Lifestock Keepers' Rights' vor.

Miriam Dross, Umweltrechtsexpertin am Öko-Institut, stellt fest: "Auch Deutschland muss seine Hausaufgaben machen." Sie weist darauf hin, dass das Fachprogramm für tiergenetische Ressourcen keine Finanzierung besitzt und die Länderzuständigkeit für Tierzuchtangelegenheiten eine Förderung für alte und wenig genutzte Rassen erschwert. Auch das novellierte Tierzuchtrecht stützt Erhalt, Nutzung und Entwicklung der Nutztierrassenvielfalt nicht ausreichend.

KonsumentInnen können ebenfalls ihren Beitrag dazu leisten, die Vielfalt von Nutztiere zu erhalten: Indem sie beispielsweise in den Geschäften gezielt nach Fleisch von seltenen Schweine-, Rinder- oder Schafrassen fragen.

Hintergrund des globalen Aktionsprogramms:

Während in den Ländern des Südens noch eine größere Vielfalt von Nutztierrassen auf den Weiden und in den Ställen steht, ist in Europa und

Nordamerika bereits ein Großteil der Anfang des 20. Jahrhunderts verbreiteten Rassen unwiederbringlich verloren. Über ein Drittel der verbleibenden europäischen Geflügel- und Säugetierrassen werden von der FAO als gefährdet gewertet.

In Deutschland existieren heute nur noch fünf von mindestens 35 ehemals einheimischen Rinderrassen. Die landwirtschaftliche Nutzung ist dabei auf sehr wenige Hochleistungsrassen beschränkt, deren genetische Vielfalt durch hochselektive Züchtung immer weiter zurückgeht. Bei den Milchrindern Holstein Friesian kommen beispielsweise einzelne "Spitzenvererber" bis zu eine Million mal als Vatertier zum Einsatz.

Bei Hühnern und Schweinen führen Züchtungsstrategien der Industrie ebenfalls zu ausgeprägter so genannter "genetischer Erosion". Zudem sind Bauern durch die bei diesen Tieren dominierende beziehungsweise voranschreitende Hybridzüchtung hier immer weniger selbst züchterisch tätig, was Vielfalt abermals mindert.









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